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klecks 1/2014

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klecks bietet Eltern und Erziehern das komplette Themenspektrum von Pädagogik bis Psychologie, von Gesundheit über Reisen bis hin zu Spieletipps und Veranstaltungsempfehlungen. klecks erscheint zwei Mal im Jahr.

Wissenswertes für

Wissenswertes für Berufstätige | Text: Gabi Strasser, Isabel Hempel MYTHOS MULTITASKING: ALLES GLEICHZEITIG GEHT NICHT! Land unter im Job, Turbulenzen im Familienleben: Manchmal scheint es, als sei das tägliche Pensum kaum zu bewältigen. Was läge da näher, als drei Dinge gleichzeitig erledigen zu wollen? Das gelingt aber zumeist nicht und ist obendrein auch noch schädlich. Wie Sie trotz hoher Anforderungen für Ruhe und Klarheit im Alltag sorgen können, verrät unsere Expertin Ulla Ostendorf. „MULTITASKING IST DAS GEGENTEIL VON GELUNGENEM ZEITMANAGEMENT.“ enem Zeitmanagement.“ Ulla Ostendorf, Diplom-Psychologin, leitet das Vortrags- und Seminarmanagement beim pme Familienservice. Was ist falsch an Multitasking? Multitasking ist einfach eine Illusion. Unser Gehirn kann nicht gleichzeitig verschiedene komplexe Aufgaben bearbeiten. Menschen können zwar manche Tätigkeiten problemlos gleichzeitig erledigen – Telefonieren und Bügeln, Joggen und Musik hören –, insbesondere wenn eine davon einem automatisierten Ablauf folgt. Multitasking wird jedoch geradezu unmöglich, wenn zwei komplexere Aufgaben gleichzeitig ausgeführt werden sollen. Der Grund: Das Gehirn schaltet ständig hin und her, und das geht nicht ohne Reibungsverluste. Auch jede Arbeitsunterbrechung – sei es durch das Telefon oder einen Kollegen – ist immer eine Störung, die Stress verursachen kann. Wie lässt sich am Arbeitsplatz die Flut der Anforderungen bewältigen? Lernen Sie, den inneren Autopiloten auszuschalten, der auf jeden Reiz reagiert: Nicht jeder Anruf muss sofort angenommen werden. Setzen Sie sich auch mit Ihren persönlichen Antreibern und Fallen auseinander. Wenn Sie an einer Kalkulation sitzen und Ihre Kollegin hereinkommt, ist es manchmal durchaus hilfreich, charmant „nein“ sagen zu können. Ein erfolgreiches Zeitmanagement hilft, gut zu planen, das Gehirn zu GLEICHE LEISTUNG WIE BETRUNKENE Für eine Studie der University of Utah aus dem Jahr 2010 saßen Versuchspersonen am Steuer eines Fahrsimulators und sollten zeitgleich eine SMS verfassen. Das Ergebnis: Die Fehlerquote war ähnlich hoch wie bei betrunkenen Fahrern mit 0,8 Promille. Die Leistungsfähigkeit sank um mindestens 40 Prozent, die Stresswerte stiegen erheblich. Entspannung zwischendurch: Tipps von unserer Expertin Ulla Ostendorf Wenn Sie mit Ihrem Kind zusammen sind, achten Sie eine Weile lang bewusst nur auf Ihr Kind – schauen Sie ihm zu, spielen Sie mit ihm und genießen Sie, wie sich das Kind auf das Spiel einlässt. Hilft immer: Nehmen Sie fünf ganz tiefe Atemzüge – Sie werden sehen, dass Sie gleich viel ruhiger sind. Stehen Sie zwischendurch auf und gehen Sie einfach eine oder zwei Minuten ohne Ziel durch den Raum – mal vorwärts, mal rückwärts, in großen Schritten, dann wieder in kleinen. 40

UNSER TIPP VON MARGIT WERNER Multitasking ist wenig hilfreich für ein beziehungsreiches und liebevolles Miteinander in der Familie. Kinder registrieren schnell, wenn man mit dem Kopf und den Gedanken woanders ist. Bezugspersonen, deren Aufmerksamkeit z. B. ständig durch Tablets oder Smartphones beansprucht wird, können nicht wirklich hören und sehen, was Kinder brauchen. Wer vieles nebenbei macht - im Gehen Kaffee trinken, beim Autofahren telefonieren, am Computer essen -, kann nicht zu hundert Prozent bei einer Sache sein. Konzentrationsvermögen und Fokussierung sind aber wichtige Lernschritte in der Entwicklung von Kindern. Sich einer Sache zuzuwenden, sich zu vertiefen, sich zu vergessen – hier können wir Erwachsene von unseren Kindern lernen. Und bitte nicht stören! entlasten und überflüssige Arbeiten zu vermeiden. Entscheidend ist die Priorisierung von Aufgaben, also das Wichtige vom Unwichtigen zu unterscheiden. Ein gelungenes Zeitmanagement ist das Gegenteil von Multitasking. Was tue ich, wenn sich Unterbrechungen nicht vermeiden lassen? Natürlich ist es nicht immer möglich, sich nur einer Aufgabe zu widmen. Und es kann auch Tage geben, an denen Sie sich bewusst für Multitasking entscheiden können. Damit haben Sie eine andere Haltung etabliert und organisieren das „kleine Chaos“. Wenn Sie sagen: „Heute ist Tag der offenen Tür!“, bewältigen Sie die Unterbrechungen mit emotionaler Gelassenheit. Nach solchen Phasen sind Momente der Ruhe und Erholung aber umso wichtiger. Oft können Sie selbst bestimmen, ob eine Anfrage so dringend ist, dass Sie dafür eine andere Tätigkeit unterbrechen. Wenn es nicht möglich ist, die erste Aufgabe zu Ende zu bringen, machen Sie sich Notizen dazu, um später leichter wieder anknüpfen zu können. Vielleicht lässt sich eine Aufgabe auch aufschieben oder delegieren. Bedenken Sie, dass auch Ihre eigene Kontaktaufnahme zu Kolleginnen oder Kollegen eine Störung verursacht. Fragen Sie sich also immer: „Ist das jetzt wirklich nötig?“. Wie kann man im Privatleben Stress vermeiden? Auch hier hilft es, sich möglichst immer nur einer Tätigkeit zu widmen, und das vollständig. Das heißt dann zum Beispiel, nicht mal schnell „diese eine SMS“ zu schreiben, während Sie mit Ihrem Kind spielen. Planen Sie in der Arbeit wie im Privatleben Pausen ein, die Sie dann auch nehmen und bewusst genießen. Dabei kommt es gar nicht auf die Dauer an: Schon fünf oder zehn Minuten helfen Ihnen, dem „Hamsterrad“ zu entkommen. Und so paradox es klingt: Je stressiger es wird, desto wichtiger ist Entschleunigung. Von dem Zeitmanagement-Experten Lothar Seiwert gibt es dazu einen sehr treffenden Satz: „Wenn du es eilig hast, gehe langsam“. Wichtig ist auch immer, auf den eigenen Körper zu hören. Er meldet sich zuverlässig mit Warnsignalen wie Kopf- oder Magenschmerzen oder Verspannungen, wenn es zu stressig wird. 41

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