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klecks 1/2015

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In dieser Ausgabe liegt der Schwerpunkt auf dem Thema Mehrsprachigkeit. Lesen Sie, auf welche verschiedenen Arten Kinder in unseren Lernwelten mit anderen Sprachen in Berührung kommen und mit welcher Freude und Begeisterung sie dabei sind. Unsere Erzieherinnen und Erzieher stellen uns ihre Muttersprachen vor und lassen sich beim „Sprachbad" und beim „Englisch spielen" über die Schulter schauen. In jedem klecks geben wir zudem Tipps aus unserer pädagogischen Arbeit weiter: Diesmal gibt die angehende Naturpädagogin und Erzieherin Mandy Großheim Tipps für Naturerlebnisse mit Kindern. Dazu kommen Spielzeug- und Buchempfehlungen, Wissenswertes für Berufstätige, Veranstaltungshinweise und vieles mehr.

Balance im Job

Balance im Job Klapperfrei durch den Kita-Alltag Text: Gabi Strasser/Isabel Hempel Fotos: Isabel Hempel Stühle werden gerückt, ein Kind weint, alle wollen Aufmerksamkeit: Der Erzieherberuf, so schön und erfüllend er ist, kann sehr anstrengend sein. Was läge da näher, als die Arbeitsbedingungen zu verbessern. Das Projekt SMARTKITA will genau das erreichen. Ludmilla Knaub setzt sich die Kopfhörer auf und nimmt das Tablet in die Hand. „So etwas interessiert mich eigentlich gar nicht“, sagt die 60-jährige Erzieherin und lässt sich auf das neue Sofa im Pausenraum fallen. Und schon ist sie versunken in einem Kurzfilm. Nach einer Weile legt sie das Tablet weg und setzt sich auf den Massagestuhl, der seit einigen Wochen testweise im Zimmer steht. Sie stellt ein Shiatsu-Programm ein und genießt ihre Pause vom Kita-Alltag. Anfang des Jahres wurden in der Frankfurter Modell-Kita zwei Pausenräume zu Erholungsräumen umgestaltet. „Uns war es wichtig, alles so weit zu reduzieren, dass sich unsere Teammitglieder voll und ganz auf ihre Pause konzentrieren können“, sagt pme-Mitarbeiterin Kristina Müller, die das Projekt SMARTKITA vor Ort betreut. Es gibt Sofas, flauschige Teppiche, Obst auf den Tischen. Jeweils über einen Zeitraum von drei Monaten werden den Teammitgliedern zudem besondere Angebote für ihre Pause gemacht und deren Nutzung evaluiert. Seit einigen Wochen liegen nun Magazine bereit und Tablets, bespielt mit einer Auswahl an Musik und Kurzfilmen. „Der Renner sind aber die Massagestühle“, sagt Müller. „Sie sind ständig in Gebrauch“. Wie sie die Stühle für eine optimale Entspannung richtig benutzen, erklären SMARTKITA- Projektpartner den Erzieherinnen in regelmäßigen Schulungen. Zusätzlich können die pädagogischen Fachkräfte das so genannte „Himmelszelt“, einen Entspannungsraum für Kinder, während ihrer Pausen nutzen. Kinder und Teams profitieren von einer Altersmischung Im ganzen Land fehlen pädagogische Fachkräfte. Weil die Arbeit sehr anstrengend ist, satteln viele früh um. Und so sind besonders ältere Fachkräfte rar. Gerade diese sind aber als Bezugspersonen für Kinder wichtig, weiß Kristina Müller: „Oft wohnen die Großeltern in einer anderen Stadt. Manche Kinder sehen sie nur einoder zweimal im Jahr. Somit haben sie fast nur Kontakt zu jüngeren Menschen. Das finden wir schade“. Auch die Gruppen profitieren von der Erfahrung älterer Erzieherinnen und Erzieher. „Sie haben meist ein großes Methoden-Repertoire und sind häufig besonders gelassen“, so Kristina Müller. Ältere Fachkräfte zu gewinnen und lange im Beruf zu halten, ist deshalb ein Schwerpunkt von SMARTKI- TA. Von den Verbesserungen profitieren aber alle Altersgruppen, sagt Kristina Müller: „Auch die Jüngeren sehen: Wir schaffen Bedingungen, die sie entlasten und es ihnen ermöglichen, bis zur Rente bei uns zu bleiben. Das spielt schon bei der Berufswahl eine Rolle”. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind die Experten In Frankfurt werden nach und nach Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeitssituation in Kitas erprobt. Diese wurden nicht einfach „von oben“ angeordnet: Was hier in Angriff genommen wird, ist das Ergebnis einer detaillierten Anforderungsanalyse, für die gemeinsam mit den Teams Beobachtungen, Interviews und Gruppendiskussionen durchgeführt wurden. Dabei stellte sich heraus, dass vor allem Lärm und Stress den Erzieherinnen und Erziehern zu schaffen machen und dass es an Möglichkeiten fehlt, sich in den Pausen wirklich zu erholen. “Die SMART- KITA ist kein isolierter Laborversuch. Wir bekommen sehr viele Anregungen von unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, sie sind die Experten vor Ort“, sagt Kristina Müller. Kinder dürfen auch mal laut sein – Stühle nicht Besteckgeklapper beim Essen, Stühlerutschen, Lachen – in einer Kita kann es ganz schön laut werden. Oft wird der tatsächliche Lärm den pädagogischen Fachkräf- 34

„Die Massage ist wichtig Für mich. Diese Veränderungen zeigen, dass meine Arbeit wertgeschätzt wird.“ ten aber erst dann bewusst, wenn er sie schon belastet. Im Projekt SMARTKITA geht es darum, Lärmspitzen zu erkennen, bevor sie bei Kindern und Erwachsenen Stress erzeugen. Dazu wurden in der Modell-Kita Lärmmessgeräte installiert. Wenn das Gerät anzeigt, dass es zu laut wird, können die Erzieherinnen gezielte Angebote machen. Das kann ein Spiel sein, bei dem sich die Kinder einmal richtig austoben können – oder aber eine besonders ruhige Aktivität. Auch die Ausstattung der Kita wurde verändert, um Lärm zu reduzieren: So gibt es nun zusätzliche Filzgleiter unter den Möbeln, Tischdecken, Einlagen für die Spielzeugkisten und „klapperfreie“ Besteckkästen. Dass eine absolut ruhige Kita nicht das Ziel ist, ist allen Beteiligten klar. „Kinder müssen auch mal laut sein dürfen“, erklärt Kristina Müller. „Aber wir haben jetzt schon gesehen, dass man mit vielen kleinen Maßnahmen die Lautstärke reduzieren kann“. Digitale Hilfsmittel für weniger Dokumentationsaufwand In einer Kita gibt es vieles zu dokumentieren – die Bring- und Abholsituation, die Aktivitäten des Tages oder auch Schlaf-, Wickel- oder Essensprotokolle. Im Rahmen des Projektes SMARTKITA wird nach Wegen gesucht, den Aufwand für die pädagogischen Fachkräfte zu reduzieren. Die Lösung liegt in der Digitalisierung: Wo früher Zettel geschrieben und handschriftlich Listen gepflegt wurden, wird jetzt mit Hilfe von Tablets dokumentiert. So gewinnen alle Zeit für ihre wichtigste und liebste Aufgabe: die Beschäftigung mit dem Kind. Nach und nach werden in der Modell-Kita weitere Maßnahmen erprobt. Ziel ist es, die Ergebnisse auch auf andere Einrichtungen – auch außerhalb des pme Familienservice – zu übertragen. Was steckt hinter SMARTKITA? Das Projekt SMARTKITA wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung initiiert. Es möchte dazu beitragen, den Erzieherberuf – insbesondere für ältere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – attraktiv und stressarm zu gestalten und die Arbeitsbedingungen in Kindertageseinrichtungen zu verbessern. Neben dem pme Familienservice sind das SIBIS Institut für Sozialforschung und Projektberatung, das Fraunhofer-Institut für Digitale Medientechnologie, die locate solution GmbH und die VitalibertyGmbH beteiligt. www.smart-kita.com „Auch die Jüngeren sehen: Wir schaffen Bedingungen, die es ihnen ermöglichen, bis zur Rente bei uns zu bleiben.“ 35

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