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klecks 1/2016

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klecks bietet Eltern und Erziehern das komplette Themenspektrum von Pädagogik bis Psychologie, von Gesundheit über Reisen bis hin zu Spieletipps und Veranstaltungsempfehlungen. klecks erscheint zwei Mal im Jahr und liegt in unseren pme-Kitas, Standorten und Filialen für alle Eltern & Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kostenfrei aus.

Gut vernetzt und sehr

Gut vernetzt und sehr bewegt Text: Solveig Blaskowitz Kinderlachen mit dem Herzen hören Kreative Köpfe, vielseitige Talente, interessante Persönlichkeiten – das sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unserer Lernwelten. Sie sorgen nicht nur liebevoll für die Kinder in unseren Einrichtungen. Viele haben darüber hinaus besondere Hobbys, Leidenschaften und Kenntnisse. Solveig Blaskowitz ist Erzieherin in der pme Kindertagesstätte Lumiland in Köln – und sie hat eine ganz besondere Lebensgeschichte: Die 26-Jährige ist die einzige Erzieherin der pme Familienservice Gruppe mit eingeschränktem Hörvermögen. Wie sie ihren Kita- Alltag erlebt und welchen Herausforderungen sie sich dabei stellen muss, hat sie für uns aufgeschrieben. Bereits in der Grundschule war ich das einzige Kind mit Hörbehinderung. Damals war ich nur leicht schwerhörig. Dennoch waren die Lehrer der Meinung, es wäre besser, wenn ich auf eine Schule speziell für Hörgeschädigte ginge. Das war natürlich ein großer Schock für mich und eine ganz neue Erfahrung. Denn eigentlich wollte ich immer „normal“ behandelt werden – genau wie meine Freunde eben. „Sich mit seiner Behinderung zu akzeptieren, ist der einzige sichere Weg – auch wenn er manchmal nicht so leicht ist.“ 34

„Ich wollte schon früher gerne für immer zur Schule gehen.“ Früher dachte ich, ich werde einmal Lehrerin oder erlerne einen anderen sozialen Beruf. Denn ich arbeite gerne mit Kindern. Es ist einfach ein wunderbares Gefühl, für andere da sein zu können, sie auf ihrem Weg zu begleiten und ihnen zu helfen, die Welt zu verstehen. Dass ich letztendlich neben dem Abitur den Beruf der Erzieherin erlernte, ist also keine wirkliche Überraschung – auch wenn ich täglich auf neue Herausforderungen stoße. Ich mag meinen Beruf in allen Facetten, die er zu bieten hat. Neben der Planung von Projekten im Gruppenalltag gefällt mir vor allem die kreative Arbeit mit den Kindern. Ich singe und backe gerne mit den Kleinen oder gehe mit ihnen ins Atelier zum Malen und Basteln. Das Arbeiten mit unterschiedlichen Materialien und Farben aktiviert gleich mehrere Sinne und fördert die Fantasie. Der Schwerpunkt meiner Arbeit liegt jedoch darin, die Gebärdensprache spielerisch in den Tagesablauf zu integrieren – anhand von Liedern, Gebärdenbüchern, Wimmelbüchern und selbst gebastelten Plakaten. Die hauptsächliche Einschränkung in meinem Alltag ist, dass ich akustisch nicht viel verstehe. Daher gibt es im Gruppenalltag die Regel, dass ich sicherheitshalber mit den Kindern nicht alleine sein sollte. Ich nehme nur Bruchstücke und einzelne Wörter mit Hilfe des Mundablesens auf. Der Rest, den ich mit Hörgeräten höre, ermöglicht es mir, in Lautsprache zu kommunizieren. Die ganz Kleinen sprechen noch nicht viel. Bei ihnen achte ich vor allem auf ihre Körpersprache und Reaktionen. Wenn ich aber mit ihnen rede, führe ich parallel einfache Gebärden mit. Schwieriger ist es da schon bei Teambesprechungen oder mit den größeren Kindern. Je nach Tonlage, Mundbild oder Aussprache verstehe ich mein Gegenüber mal besser, mal schlechter. jetzt bin ich aber total kaputt“, und ich plötzlich verstehe, dass ein Kind ganz ernst und fast traurig sagt: „Nicht kaputtgehen!“. Oder wenn die Kinder plötzlich Gebärden benutzen für Wörter, die sie noch nicht aussprechen können. Solche schönen Momente erleben Hörende in diesem Beruf ja oft, schon wenn sie die Spielgespräche der Kinder mitbekommen. Für mich ist das jedoch eine Seltenheit. Mein Ziel für die Zukunft ist, die Gebärdensprache noch mehr in den Kita-Alltag einzubringen und schon die Kleinsten an das Thema Gehörlosigkeit heranzuführen. „Die Kommunikation ist meine Nonstop-Lebensherausforderung.“ Im letzten Jahr gab es für unser Team eine Fortbildung des pme Familienservice zur Gebärdensprache. Ich habe meine Kolleginnen und Kollegen aktiv dabei unterstützt, „meine“ Sprache zu verstehen. Es war fast wieder wie zu Schulzeiten, wenn ich eine Präsentation zu einem bestimmten Thema gehalten habe. Wenn die Ohren nicht funktionieren, erlebt man alltägliche Momente viel intensiver, z. B. wenn ich etwas Schönes mit den Kindern mache und ihre Augen vor Freude strahlen. Oder aber wenn ich mit den Kindern tobe und sage: „Puh, Schsch! Solveig Blaskowitz erklärt das Wort “leise” in Gebärdensprache 35

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