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klecks 1/2016

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klecks bietet Eltern und Erziehern das komplette Themenspektrum von Pädagogik bis Psychologie, von Gesundheit über Reisen bis hin zu Spieletipps und Veranstaltungsempfehlungen. klecks erscheint zwei Mal im Jahr und liegt in unseren pme-Kitas, Standorten und Filialen für alle Eltern & Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kostenfrei aus.

Wissenswertes für

Wissenswertes für Berufstätige | Text: Gaby Hamm-Brink Achtsamkeit: eine uralte Tugend im neuen Kleid Empfehlungen für eine Lebensführung im Hier und Jetzt Es ist wohl nicht die Ausnahme, dass Menschen, insbesondere diejenigen, die die Vereinbarkeit von Beruf und Privatem leben, bisweilen das Gefühl beschleicht, in ihrem eigenen Leben gar nicht mehr vorzukommen. Wir terminieren und takten, hetzen von Termin zu Termin, von der Telefonkonferenz zum nächsten Webinar. Kaum dort eingewählt, verfolgen wir parallel den Chat, und damit wäre das Kommunikations-Triple „Hören - Schreiben - Sehen“ vollendet. Alles gleichzeitig natürlich. „Zu viele Möglichkeitsräume“, konstatieren Experten aus Psychologie und Soziologie und meinen damit, dass wir mit diesem permanenten Hin- und Herschalten unser Gehirn strapazieren. Das führt zu Energieverlust und Fehlern. Und die müssen wir dann aufwendig wieder ausbügeln. Womit der Energieverlust doppelt zu Buche schlägt. Hinzu kommt das ständige Sich-Vergleichen mit anderen. Wir seien immer am Checken, so Günter Hudasch, Achtsamkeitstrainer aus Berlin: „Der Kollege hat schon wieder ein neues Auto – wie kann der sich das bloß leisten?“. Solche Vergleiche führen selten dazu, dass Menschen sich gut fühlen. Arbeiten sie darüber hinaus in Organisationen, in denen täglich neu ausgehandelt wird, wer wem etwas zu sagen hat, entwickelt sich leicht eine Verschleißspirale, die unsere Gedanken pausenlos auf Trab hält und eines konsequent verhindert: dass wir im Hier und Jetzt bleiben. Makro-Management im Privatleben Auf das tägliche Mikro-Management im Job folgt das Makro-Management zu Hause. Der leicht persiflierte Dialog eines Double-Career-Two-Kids-Paares, das sehr früh am Morgen den Tagesablauf abstimmt, könnte in etwa so lauten: „Ich nehme heute den Sechs-Uhr-zehn-Flieger nach B. und lande um 16.30 Uhr wieder in M. Wenn es dich entlastet, könnte ich von dort die S-Bahn nehmen und bei deiner Mutter noch schnell den Rasen mähen. Wenn du um Viertel nach fünf das Auto aus der Werkstatt holst, könnte ich um halb sechs in der Kita sein, und es würde sich genau ausgehen, wenn du uns beim Bäcker um die Ecke aufgabelst. Auf dem Heimweg springe ich noch schnell bei der Reinigung raus, hole uns beim Pizza-Service was zum Essen, und dann fahren wir nach Hause“. Achtsamkeitsrituale: Leben im Hier und Jetzt Auf der Suche nach Entspannung kommen derart Stressgeplagte kaum an Achtsamkeitsübungen vorbei. Verschlagwortet man den Begriff Achtsamkeit, so stößt man rasch auf Konzepte, die uns nahebringen, dass uns gegen das Leben im Schleudersitz nur eines helfen kann: im Moment zu bleiben. Die Besinnung auf uns selbst und das Leben im Hier und Jetzt sollen uns vor dem Umkippen bewahren. Internet-Streams, Apps und Meditationskurse mit Achtsamkeitsübungen versprechen uns, wieder ins Gleichwicht zu kommen. Was seit Äonen integraler Bestandteil der Weltreligionen ist, wird hierzulande gehandelt, als sei es eine Erfindung der auslaufenden New-Age-Welle. Denn Achtsamkeit bedeutet letztendlich nichts anderes als das Sich-Einlassen auf den Moment, mit einem nichtwertenden Gewahrsein. Termindruck, unbotmäßig auftretende Kollegen oder Kopfschmerzen: Man kann lernen, diese Dinge stehen zu lassen, wie sie sind, ohne dass sie unser Handeln in negativer Weise beeinflussen. Die Technik: anhalten. Atmen. Bemerken. Was sich leicht anhört, lässt sich lernen, in achtwöchigen Kursen, durch angeleitetes Üben und konsequentes Dranbleiben. So wie jede andere Disziplin, in der man es zu etwas bringen will. Am besten geht es in einer Gruppe. 44

„Es ist wichtig, solche Übungen nicht alleine durchzuführen, sondern in einer Gruppe, in der man sich austauschen kann, und mit einem Trainer, der ebenfalls Ansprechpartner ist“, betont Johannes Michalak, Psychologe und Professor an der Universität Hildesheim. Denn in manchen Fällen sei Vorsicht geboten: für Schmerzoder Suchtkranke zum Beispiel könne die Konzentration auf sich selbst eine zusätzliche Belastung darstellen. Denjenigen, die in einer Gruppe unter Anleitung das achtsame Gewahrsein sukzessive in ihr Leben integrieren, wird über kurz oder lang eine wunderbare Erfahrung zuteil: dass sie standhaft bleiben und elastisch sein können – nur eben nicht zur selben Zeit. Wohl aber in dem Sinne, in dem es auch die buddhistische Lehre verlangt: „Wenn du gehst, gehe. Wenn du stehst, stehe. Wanke nicht!“ Kurze Achtsamkeitssequenzen im Alltag: Beim Autofahren oder im Bürostuhl: Kontakt zum Körper aufnehmen. Als Fußgänger an der roten Ampel: Pause bewusst annehmen, tief atmen, Kontakt zum Körper aufnehmen. Routinen durchbrechen: Tun Sie Dinge anders als gewohnt, so nehmen Sie sich und andere anders wahr. Neue Rituale bilden: zum Beispiel immer dreimal kräftig durchatmen, bevor Sie an die nächste Aufgabe gehen. Die pme akademie bietet Achtsamkeitsseminare für Führungskräfte und Mitarbeiter. Nähere Informationen finden Sie unter: www.familienservice.de/akademie 45

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