Aufrufe
vor 5 Jahren

klecks 2/2015

klecks bietet Eltern und Erziehern das komplette Themenspektrum von Pädagogik bis Psychologie, von Gesundheit über Reisen bis hin zu Spieletipps und Veranstaltungsempfehlungen. klecks erscheint ab sofort zwei Mal im Jahr und liegt in unseren Kitas, Standorten und Filialen für alle Eltern & Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kostenfrei aus.

Aus der Praxis, Für die

Aus der Praxis, Für die Praxis | Text: Ulrike Thesmann und Grazyna Owczarek Kinder erforschen Naturphänomene Kinder sind von Beginn an kleine Forscher. Sie gehen Dingen auf den Grund, entwickeln Theorien und experimentieren. Ihr Forschergeist will aber geweckt und unterstützt werden. Wie das in der Kita und auch zu Hause gelingen kann, zeigen einige Beispiele aus unserer Bonner Kita „Kleine Wolkenstürmer“. Wir beobachten immer wieder, wie sehr sich schon kleine Kinder für Naturphänomene interessieren. Haben Sie ein Thema gefunden, das für sie von Bedeutung ist, beschäftigen sie sich konzentriert und ausdauernd damit. Dabei entwickeln sie individuelle Lernwege. Ihnen geht es nicht darum, von Erwachsenen Erklärungen geliefert zu bekommen. Kinder wollen Naturforschung vom Anfang her betreiben: Sie beobachten, staunen und setzen sich explorierend mit ihrer Umwelt auseinander. Wie die frühen Forscher erfinden Kinder ihre ersten Schritte in die Naturwissenschaften neu. Mit Kindern forschen 1: Beobachten Interessante Dinge zu beobachten braucht Zeit und Muße zum Schauen, Hören und Fühlen. Mit Fragen wie „Kannst du erkennen, ob ...?“, „Hast du gesehen, dass ...?“ oder dem Vorschlag, Gestalten, Formen und Farben zu vergleichen, regen Sie Kinder dazu an, Details wahrzunehmen. Aufforderungen zum Messen und Zählen motivieren die Kinder, quantitativ zu beobachten, und geben ihnen die Möglichkeit, Antworten selbst nachzuprüfen. Wenn Kinder spüren, dass ihre Wahrnehmungen geschätzt und ihre Beobachtungen aufgegriffen werden, entdecken sie immer häufiger interessante Dinge. Tipp: Geräte wie Lupe, Fernglas oder Lineal sollten erst zum Einsatz kommen, nachdem die Kinder mit eigenen Augen, Ohren und Händen geforscht haben. 2: Theorien entwickeln Schon beim Beobachten versuchen sich Kinder zu erklären, warum Dinge so sind, wie sie sind – sie entwickeln Theorien. Unterstützen Sie das, indem Sie keine vorschnellen Deutungen liefern, sondern aufmerksam zuhören. Mit Fragen wie „Was würde passieren, wenn wir jetzt ...?“, „Warum denkst du, dass ...?“, „Kannst du dir erklären, wieso ...?“ ermuntern Sie die Kinder zum Ausprobieren. 3: Experimentieren Durch Experimente vertiefen Kinder ihr gewonnenes Wissen und erweitern es. Lassen Sie solche Experimente zu, und halten Sie sich nach Möglichkeit zurück, wenn sich Kinder versuchsweise mit den vielfältigen physikalischen, chemischen und technischen Erscheinungen auseinandersetzen. Wenn Kinder bei einem Thema ins Detail gehen wollen, können Sie mit Appellen oder kleinen Aufträgen die Aufmerksamkeit der Kinder wecken oder auf ein Thema oder Material lenken: „Was passiert, wenn du ... ?“. Grazyna Owczarek ist Diplom-Pädagogin und arbeitet als Erzieherin in der Kita „Kleine Wolkenstürmer“ Ulrike Thesmann ist Frühpädagogin und Hausleitung in der Kita „Kleine Wolkenstürmer“ 12

Es blubbert und sprudelt: Experimentieren mit Backpulver Als wir wieder einmal in der Kita Brot backen, wollen die Kinder wissen, warum wir Backpulver in den Teig tun – ein Anlass für uns, das weiße Pulver einmal genauer zu untersuchen. Während das Brot im Ofen backt, sitzen wir (die Erzieherin und vier fünfjährige Kinder) am Tisch. Jedes Kind hat ein Glasschälchen und ein Tütchen Backpulver vor sich. Vorsichtig öffnen die Kinder ihre Tütchen und füllen das Pulver in ihre Schälchen. Manche Kinder nehmen gleich alles, andere sparen sich einen Teil des Pulvers „für später“ auf. Was sie wohl damit noch vorhaben? „Was ist denn zusammen mit dem Backpulver im Teig?“. Ach ja, Mehl. Wir verrühren das Backpulver mit Mehl – nichts passiert. Nun kommt ein Kind auf die Idee, Wasser hinzuzufügen. Am besten warmes Wasser, weil es im Ofen ja auch heiß ist. Also gießen wir warmes Wasser auf unser Pulver, und da passiert es: Es schäumt und sprudelt. Die Kinder sind fasziniert vom Geschehen: „Bei mir gibt es Blasen“, stellt ein Kind fest. „Es wird immer mehr“, meint ein anderes. Sie teilen sich ihre Beobachtungen mit und vergleichen die Vorgänge in ihren Schälchen. Da fällt ihnen das Brot wieder ein. Sie schauen durch die Glastür in den Backofen und beobachten, dass das Brot größer geworden ist. Ihre Erkenntnis: „Der Schaum, der jetzt im Brot ist, macht es dicker“. Die Kinder können jetzt noch nicht erkennen, dass bei der Schaumbildung Gas (Kohlendioxyd) entsteht. Deswegen werden wir das Experiment in den nächsten Tagen fortsetzen. Backpulver als Luftpumpe An einem anderen Tag fragen die Kinder von sich aus, ob sie noch einmal mit Backpulver „spielen“ dürfen. Jetzt bekommt jedes Kind einen Luftballon. Wir blasen die Ballons auf, damit sie geschmeidig werden, und füllen in jeden einen Teelöffel Backpulver. Dazu bekommt jedes Kind ein Reagenzglas, das zirka drei Zentimeter hoch mit Wasser gefüllt wird. Die Kinder stülpen den Ballon über die Öffnung des Glases. Sie erinnern sich: „Wenn wir Backpulver ins Wasser schütten, gibt es Schaum“. Das Backpulver fällt aus dem Ballon in das Reagenzglas. Wie vorausgesagt, entsteht Schaum. Aber es geschieht noch etwas: Der schlappe Ballon richtet sich auf, er wird prall. Die Kinder stellen Vermutungen auf: „In den Blasen ist Luft – wenn die platzen, kommt die Luft raus“, oder: „Die Luft pustet den Ballon auf“. Nach mehreren Wiederholungen stellen sie schließlich fest, dass die Reagenzgläser mit den Ballons wie Mikrofone aussehen. Sie springen auf, singen in ihre „Mikrofone“ und tanzen. Daraus entwickelt sich das Spiel „Disko und Musik“, bei dem auch die anderen Kinder mitmachen. Disco im Labor: Das Backpulver im Reagenzglas pustet die Ballons – äh Mikrofone – auf. 13

Magazine

Klecks Magazin 1/2018
Klecks Magazin 2/2016
klecks 1/2016
klecks 2/2015
klecks 1/2015
klecks 1/2014
Keine Tags gefunden...