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Klecks Magazin 1/2018

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klecks ist das Magazin des pme Familienservice für junge Familien. Das Magazin deckt ein breites Themenfeld ab: von Erziehung bis Psychologie, von Gesundheit über Reisen bis hin zu Spieletipps und Veranstaltungsempfehlungen. klecks erscheint einmal im Jahr und liegt in unseren pme-Kitas, Standorten und Filialen für alle Eltern & Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kostenfrei aus.

Jessica, 36 Jahre, 2

Jessica, 36 Jahre, 2 Kinder (10 und 4 Jahre), aus Berlin Jessica ist zweifache Mutter und hat noch während der Elternzeit den Online-Shop designupdate gegründet, der spezialisiert ist auf in Deutschland und Europa hergestellte Wohnaccessoires, Designmöbel und Geschenkartikel. Sie war unzufrieden mit ihrem bisherigen Job als Shopleiterin eines kleinen Ladens. Der Berlinerin fehlte die Kreativität und Eigenständigkeit. Also sprang sie ins kalte Wasser und baute aus der Elternzeit heraus einen eigenen Online-Shop auf. Sie versucht stets, ihren Kindern genügend Zeit einzuräumen: „Ich arbeite ca. 35 Stunden in der Woche und hole gegen 16:30 Uhr den Kleinen aus der Kita ab. Wenn doch mal mehr zu tun ist, holt mein Freund die Kinder ab oder mein Sohn kommt mit ins Lager. Er ist mit seinen vier Jahren schon sehr selbstständig, so dass ich auch in seiner Anwesenheit gut zwei Stunden weiterarbeiten kann. Meine Tochter kümmert sich nach der Schule selbstständig um ihre Hausaufgaben“. Die ehemalige Grafikerin Sally in ihrem eigenen Laden. Sally, 42 Jahre, 1 Tochter (7 Jahre), aus München Sally arbeitet sieben bis acht Stunden pro Tag in ihrem Second-Hand- Laden. So bleibt ihr noch genügend Zeit für ihre Tochter und das Familienleben. Die 42-Jährige fühlte sich nach der Geburt ihres Kindes als festangestellte Grafikdesignerin in Teilzeit in ihrem Unternehmen nicht mehr wohl. Zwischen Job und Kita kam sie sich gehetzt vor. Für ihr Privatleben war einfach zu wenig Platz. Über Nacht kam ihr dann die Idee. Sie machte aus ihrer Leidenschaft ein Geschäft. Heute betreibt sie einen Second- Hand-Laden für Kinder in München. Sally findet, dass sie jetzt viel mehr Möglichkeiten hat, sich kreativ auszuleben, als in ihrem alten Job. „Von meinem Logo bis hin zu jedem Regal kommt bei mir im Laden alles aus meiner Hand. Ich habe alles so gestaltet, dass ich mich wohl fühle. Das merken auch die Kunden!“. Catalina, 37 Jahre, 1 Sohn (1 Jahr), aus Frankfurt Die alleinerziehende Catalina hat ihr Unternehmen, einen mobilen Tiernotdienst, vor fünf Jahren – damals noch kinderlos – gegründet. Mittlerweile ist ihre Firma in drei deutschen Städten tätig. Ihr Notdienst bedeutet Rund-um-die-Uhr-Erreichbarkeit, auch an freien Tagen und Feiertagen. Catalina hat mittlerweile 15 Beschäftigte. Die 37-jährige Tierärztin pendelt zwischen Frankfurt, Berlin und Köln, hofft aber durch eine Umsiedlung in die Hauptstadt etwas mehr Routine in ihren Tagesablauf mit dem einjährigen Noah zu bekommen. Momentan kommt ihr Nachwuchs noch überall hin mit. „Noah ist immer bei mir. Wir sind ein gutes Team. Egal wohin, er ist immer dabei. Er kommt auf Kongresse und Sitzungen mit. Und ich kenne sämtliche Indoor- Spielplätze an den unterschiedlichsten Orten“. Die Vorteile, eine Mompreneur zu sein, liegen für die Gründerinnen auf der Hand: „Ich kann mir meine Termine legen, wie ich möchte. Was ich in dieser Zeit nicht schaffe, kann ich hinten dranhängen“, sagt Jessica. Sally unterstützt die Aussage: „Meine Arbeitszeiten sind dieselben wir im Festangestelltenverhältnis. Allerdings kann ich jetzt jederzeit schließen, wenn ich in den Urlaub fahren will oder mein Kind mal krank ist. Dann verdiene ich natürlich kein Geld, aber ich muss mich bei niemandem rechtfertigen“. Catalina findet: „Ich habe zwar nicht mehr Zeit für mich, aber ich erlebe mehr. Außerdem habe ich mehr Freiheiten, weil es meine Mitarbeiter jetzt viel mehr respektieren, wenn ich sage, ich kann jetzt nicht“. In Interviews oder Artikeln über das Mompreneur-Sein liest sich das selbstständige Leben häufig sehr positiv. Die Frage „Hast du es bereut, dich selbstständig gemacht zu haben?“ beantworten nur wenige uneingeschränkt ehrlich. Jessica kennt beide Seiten und hat keine Scheu, darüber aufzuklären. „In manchen Phasen bin ich stolz auf mich, dass ich so mutig war, mich selbstständig zu machen. In diesen Momenten möchte ich nie wieder festangestellt sein, denn ich liebe das, was ich tue, sehr. Es gibt leider aber auch Phasen, in denen die Be- 20

„Resilienz bedeutet nicht nur, in widrigen Situationen cool zu bleiben, sondern kleine und große Krisen zu überwinden und an ihnen zu wachsen.“ Meike Bukowski, pme Familienservice Catalina zeigt eine weitere Seite auf: „Meine größte Herausforderung ist die Zeit. Immer und zu jedem Zeitpunkt will jemand etwas von mir. Ich habe nie richtig frei. Es ist nicht immer leicht, zwischen Tür und Angel Entscheidungen treffen zu müssen“. Meike Bukowski, Resilienzexpertin beim pme Familienservice, sieht selbstständige Mütter als perfekte Gelassenheitsmanagerinnen: „Resilienz bedeutet nicht nur, in widrigen Situationen cool zu bleiben, sondern kleine und große Krisen zu überwinden und an ihnen zu wachsen. Die hoch motivierten Gründerinnen sind oftmals optimistisch, arbeiten lösungsorientiert und sehr fokussiert. Sie lassen sich nicht von unwichtigen Dingen ablenken und wissen die Handlungs- und Entscheidungsspielräume, die sie als Gründerinnen erleben und mitgestalten, sehr zu schätzen. Ihre gewonnene Flexibilität hilft ihnen, Beruf und Kind und Privatleben zu vereinbaren und resilient zu bleiben“. Allerdings haben sich Catalinas Prioritäten durch Noah stark verschoben. Sie musste lernen, loszulassen: „Vor- stellungen nicht einfach so reinflattern. Dann fange ich an zu zweifeln. dienst, musste immer einspringen, her lebte ich 24 Stunden für den Not- Schließlich hänge nicht nur ich dran. wenn einer ausgefallen war. Meine Jede Entscheidung, die ich treffe, Lebensqualität hatte in der Zeit stark betrifft das Leben meiner Familie direkt. Ich trage allein die Verantwor- ich notgedrungen viele Dinge ab- abgenommen. Durch Noah musste tung für unser Unternehmen“. geben und das hat mir eine neue „Durch Noah musste ich notgedrungen viele Dinge abgeben, und das hat mir eine neue Sicht auf vieles in meinem Alltag gebracht.“ Catalina gebunden sein würde. Viele meiner Kunden sind mittlerweile Freunde. Ich sehe ihre Kinder aufwachsen und leide auch mit bei Einzelschicksalen. Ich bekomme hier wirklich viel Liebe und möchte das auch so zurückgeben“. Auch Jessica liebt, was sie tut: „Ich investiere viel Zeit in die Suche und Recherche nach den richtigen Produkten, die Menschen glücklicher machen sollen. Für mich ist es das Schönste, wenn ich die positiven Feedbacks von den Kunden erhalte“. „Viele meiner Kunden Sicht auf vieles in meinem Alltag gebracht“. Interessanterweise hatte das einen großen Vorteil für ihr kleines Unternehmen: „Dafür, dass ich viele Dinge outsourcen musste, hatte ich die Möglichkeit, mit meinem kleinen Unternehmen zu wachsen“. Für Sally ist ihr Geschäft viel mehr als nur ein Business. Es ist ihr zweites Baby: „Ich hätte nicht gedacht, dass ich so emotional an Das Engelhaus Catalina ist stolz auf ihr Kind und ihre Firma. sind mittlerweile Freunde.“ Sally 21

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