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Klecks Magazin 2/2016

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Pädagogiktipps für

Pädagogiktipps für Eltern | Text: Claudia Funke Der hat mich geschubst! Wenn Kleinkinder hauen, kratzen oder beißen Meist passiert es irgendwann nach dem zweiten Geburtstag: Das bisher so friedliche Kind setzt sich plötzlich mit körperlichen Mitteln durch. Eltern sind dann oft schockiert und ratlos. Wie sollen wir damit umgehen? Besonders streng sein, auf Regeln bestehen? Die Erzieherin, Sozialarbeiterin und zertifizierte Elternberaterin Claudia Funke plädiert für einen genauen Blick auf das Kind – und auf die guten Gründe für sein Verhalten. Claudia Funke ist Sozialarbeiterin (BA) und Erzieherin. Sie arbeitet seit Sommer 2012 bei den Locomotion Kids in Düsseldorf. Bevor ich darauf eingehe, warum es zu einem solchen Verhalten bei Kleinkindern kommt und wie Sie am besten darauf reagieren, möchte ich Sie zunächst einmal beruhigen: Ihr Kind macht eine ganz normale Entwicklung durch. Allerdings neigen wir Erwachsenen dazu, unsere Maßstäbe an das Verhalten von Kindern anzulegen. Wenn Kleinkinder schubsen, hauen oder kratzen, machen wir den Kindern sehr ernsthaft deutlich, dass „man nicht haut“. Wir urteilen und agieren also aus unserer Erwachsenenperspektive. Leider vergessen wir dabei viel zu oft, uns über die Gründe für das Verhalten Gedanken zu machen. „Konflikte sind das Salz in der Suppe ...“ Bei einer Fortbildung zum Thema „Kreative Konfliktlösung“ las ich ein interessantes Zitat: „Konflikte sind das Salz in der Suppe des zwischenmenschlichen Lebens. Sie nerven, aber ohne sie gibt es keinen Fortschritt“ (Redlich, 1997). Das Zitat bezieht sich auf Konflikte unter Erwachsenen im beruflichen Kontext. Wie ich finde, ist es aber auch gültig für Konflikte unter Kindern. Es ist natürlich, dass auch sie Konflikte erleben, zum Beispiel in ihrer Kita-Gruppe. Sie hauen, kratzen oder beißen nicht, weil sie bösartig sind, sondern weil sie ihren Bedürfnissen und Emotionen noch nicht anders Ausdruck verleihen können. Deshalb ist es wichtig, dass Kinder den Umgang mit solchen Situationen erleben und vor allem vorgelebt bekommen. Was steckt dahinter? Im Gruppenalltag der Kita erkenne ich Schubsen, Beißen oder Hauen oft nicht als aggressives Verhalten, sondern als ein Mittel der Kontaktaufnahme bzw. Kommunikation oder um den eigenen Wunsch nach Selbstwirksamkeit oder Aufmerksamkeit zu erfüllen. Ein Beispiel, das Ihnen vielleicht bekannt vorkommt: Ein Zweijähriger kommt zur Spielküche und rempelt das jüngere Kind, das gerade in sein Spiel vertieft ist, von hinten an. Nun könnte man dem Zweijährigen unterstellen, dass er Streit sucht. Das wäre aber aus meiner Sicht falsch und nicht hilfreich. Denn hier bietet sich ein Lernfeld an, in dem wir dem Kind vorleben bzw. es dazu anleiten können, mit starken Emotionen wie Frustration, Langeweile oder Überforderung umzugehen. Ein Zweijähriger verfügt noch nicht über die Fähigkeit der Selbstregulation oder Impulskontrolle. „Sie hauen, kratzen oder beißen nicht, weil sie bösartig sind.“ Wenn ich in solch einer Situation direkt dabei bin, greife ich vorausschauend ein. Beispielsweise leite ich wie beiläufig die Schubsbewe- 32

gung um und weise den Zweijährigen darauf hin, dass das jüngere Kind sich sicher erschrocken hätte. Da ich weiß, dass der Zweijährige noch nicht artikulieren kann, was ihn gerade antreibt, frage ich dann so etwas wie: „Möchtest du auch in der Küche spielen?“. So helfe ich ihm, seinem Wunsch Ausdruck zu verleihen. Oder ich gebe einen Spielimpuls und somit einen Lösungsvorschlag: „Vielleicht wollt ihr ja gemeinsam etwas kochen?“. Emotionen kindgerecht in Worte fassen Ich berücksichtige auch, welches Verhalten der Zweijährige unmittelbar vor dieser Situation gezeigt hat. Hat er sich gerade über etwas geärgert? Langweilt er sich? Ist er frustriert? Dann ist es naheliegend, dass seine Emotionen gerade überhandnehmen. Ich versuche ihn zu begleiten, indem ich empathisch und kindgerecht formuliere, was ich beobachte: „Oh je, du schaust, als ob du dich gerade über etwas ärgerst!“. Oder ich helfe dem Kind durch tröstende Worte oder Berührungen, wieder Stabilität zu erlangen. Ich vermeide dann Formulierungen wie „Es ist wieder gut!“ oder „Es ist doch nicht so schlimm!“ – ich weiß, dass es für das Kind eben doch „schlimm“ ist. Stattdessen sage ich beispielsweise „Mannometer, das ist aber auch wirklich ärgerlich!“ und frage, ob es in den Arm genommen werden möchte. So tröste ich seine Gefühle nicht „weg“, sondern benenne sie und signalisiere Beistand, Verständnis und Mitgefühl. Auch weil die Aufmerksamkeitsspanne von Kleinkindern kurz ist, braucht das Kind, das geschubst, gehauen oder gebissen hat, zeitnah eine verbale Rückmeldung, die klar, ruhig und kindgemäß formuliert ist. Ein lautes „Nein!“ oder „Stopp!“ oder auch Aussagen wie „Ich möchte nicht, dass du haust!“ versuche ich dabei zu vermeiden. Stattdessen beschreibe ich dem Kind, wie ich die Situation beobachtet habe, und rege es dazu an nachzuempfinden, was das andere Kind wohl empfunden hat, um seine Empathiefähigkeit zu stärken. Ratgeber für Eltern und pädagogische Fachkräfte Hauen, beißen, sich vertragen – Umgang mit aggressivem Verhalten 0- bis 3-Jähriger in der Kita Irmgard Kollmann Cornelsen Verlag Auffälliges Verhalten im Kindesalter – Handbuch für Eltern und Erzieher Hilde Trapmann, Wilhelm Rotthaus Modernes Lernen Verlag Wenn kleine Kinder beißen Dorothee Gutknecht Herder Verlag Bilderbücher Das kleine Wutmonster Britta Schwarz, Manfred Tophoven Ueberreuter Verlag Blöde Ziege – dumme Gans Isabel Abedi, Silvio Neuendorf ArsEdition Verlag Weinen, lachen, wütend sein – dafür bin ich nicht zu klein! Dagmar Geisler Oetinger Verlag Meins! Nein, meins! Norbert Landa, Tim Warnes Loewe Verlag 33

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